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1913 – Suspense

Als Hitchcock-Fan wählte ich diesen Film natürlich wegen seines Titels. Regie führten Phillips Smalley und Lois Weber, womit wir auch endlich eine weibliche Regisseurin auf dieser Reise treffen.

Als erstes fielen mir die Opening-Credits auf. Bislang hatte ich das noch nirgendwo in dieser Reihe gesehen. Wir sehen erneut den Shot durchs Schlüsselloch, den wir schon von Die Rache des Kameramanns kennen. Der Film glänzt durch weitere spannende Shots, zum Beispiel einige High-Angle-Shots. Zudem gibt es einen dreifachen Splitscreen. Und er baut beachtliche Spannung auf mit einer dreifachen Parallelmontage: Bilder vom einbrechenden Landstreicher wechseln sich mit jenen ab von der sich verbarrikadierenden Frau und dem zu Hilfe eilenden Auto, in dem der Ehemann sitzt. Bei diesem Heraneilen klaut der Mann ein Auto und in der Nebenhandlung entwickelt sich eine Verfolgungsjagd bei der wir das Auto der Verfolger in einem Shot durch einen Außenspiegel des voranfahrenden Autos sehen. Beeindruckend! Genauso wie die Einstellung, als der Landstreicher die Treppe hinauf auf die Kamera zuschleicht.

Ein beeindruckendes Werk, das seinen Namen zu Recht trägt und mit wirklich innovativer Kameraarbeit viel Spannung aufbaut.

1903 – The Great Train Robbery

Was für ein Quantensprung! The Great Train Robbery von Edwin S. Porter ist zurecht berühmt. Nach der ganzen Pappe, die Méliès angschleppt hatte, wirkt der erste Western erfrischend realistisch. Nun gut, bis auf die Sterbeszenen: Offenbar muss jeder Mensch, der erschossen wird noch einmal die Arme in Höhe reißen, bevor er zu Boden sinken darf …

Der Film zeigt den titelgebenden Zugüberfall in 14 Szenen. Schneidet in einer Parallelmontage zwischen Orten hin und her und mischt gebaute Kulissen mit Originalschauplätzen. Wir bekommen versteckte Schnitte und eine Verfolgungsjagd zu sehen. Kurz: Wir sehen einen Film, der schon sehr viel näher an unseren heutigen Sehgewohnheiten ist, als alles, was ich bislang in dieser Reihe gesichtet habe. Besonders schön fand ich, wie die Verbindung zwischen der ersten und der zweiten Szene hergestellt wird, indem wir in Szene Eins den Zug hinter dem Fenster der Bahnstation sich bewegen sehen und diese Bewegung nach dem Schnitt aufgenommen wird, indem wir dann den Zug leinwandfüllend sehen, wie er zum Stehen kommt. Ich vermute, dass die Szene mit einer Leinwand hinter dem Fenster gedreht wurde.

Der Film etablierte zudem einige Tropes, die den Western und den gesamten Film prägten. Zum Beispiel das Bullet Dancing und das Durchbrechen der vierten Wand. Letzteres kommt daher in Form eines Schusses durch die Leinwand. Es ist quasi die Vorlage zu James Bonds Gunbarrel. Dass die Zuschauer dabei in Panik gerieten, dürfte ebenso ins Reich der Legenden gehören wie jene Panik beim Zug der Lumières.

Der Film wurde zum ersten Blockbuster, dem größten Erfolg der Edison-Studios und zum erfolgreichsten Film aller Zeiten bis 1915 The Birth of a Nation ihn ablösen sollte. Der Film hatte, wie gesagt, einen großen Impact auf die Filmentwicklung und neben der Gunbarrel zitiert ihn auch Scorseses Goodfellas mit dem Schuss durch die Leinwand als letzter Einstellung.