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1908 – Rescued from an Eagle’s Nest

Porters dritter und letzter Streich in meiner Reise. Doch anders als bei Méliès ist es kein bitterer Abschied, denn auch mit diesem Werk konnte mich Edwin S. Porter wieder fesseln.

Diesmal drehte Edwin S. Porter zusammen mit J. Searle Dawley. Der Film ist das Debut von Henry B. Walthall, einem der frühen Stars des Filmgewerbes. Er sollte später die Hauptrolle in The Birth of a Nation spielen, wir werden dazu noch kommen.

In Rescued from an Eagle’s Nest kombinieren die Regisseure wieder schön Kulissen mit Originalschauplätzen und Tricktechnik. Wobei die Kindesentführung vom wohl langsamsten und ausgestopftesten Adler der Filmgeschichte durchgeführt wird. Im Gegensatz zu Ben Hur ist dieser Film aber wieder sehr geradlinig und verständlich erzählt. Ich wusste zu jeder Zeit, wer was, wann und warum macht.

Bemerkenswert ist auf jeden Fall, dass wir im Zuge der Rettung, als einer der Holzfäller abgeseilt wird, den ersten Shot-Reverse-Shot zu sehen bekommen, der mir in dieser Reihe bislang untergekommen ist. Zunächst guckt die Kamera den Abseilern über die Schulter. Dann sehen wir die gleiche Szene vom Fuß der Steilwand. Nice!

Dass die Wand plötzlich viel steiler wird, wenn von der Außenaufnahme ins Studio gewechselt wird und dass der Showdown auch aus Birdemic hätte stammen können, tut dem Vergnügen keinen Steinbruch … äh … Abbruch.

1906 – Dream of a Rarebit Fiend

Ich muss sagen, Edwin S. Porter hat es mir echt angetan. So wie im Vergleich zu den Lumières und anderen Méliès den Film in den 1890ern auf ein neues Niveau gehoben hatte, so macht dies in den 1900ern Porter.

Diesmal ist er zusammen mit Wallace McCutcheon am Werk. Die beiden zeigen uns in der ersten Comic-Verfilmung der Geschichte nicht bloß mit Hilfe von Doppelbelichtung und Wackelkamera (Jason Bourne lässt grüßen) einen Alkoholrausch sondern unter anderem in Form eines Splitscreens auch die erste Traumsequenz.

Dass sie zwischendurch in den Méliès-Stil verfallen und Mobiliar durch Schnitte tanzen lassen, sei ihnen schon deshalb verziehen, weil sie diesen Tanz beim Bett später ganz ohne Schnitt machen, sodass mir nicht ganz klar ist, wie. Ich tippe auf eine Miniatur mit Seilzügen. Dann sehen wir eine Szene in, der das Bett und der Träumer fliegen. Diese Szene dürfte wohl Vorbild für noch viele spätere Flugszenen gewesen sein.