1919 – Harakiri

Der erste Weltkrieg ist vorbei, es wird Zeit, dass Fritz Lang die Bühne betritt und mit ihm die goldene Generation des deutschen Films. Ein Faktor führten vor allem zum Aufschwung des deutschen Kinos: Wir haben ja alle in der Schule gelernt, wie übel der Vertrag von Versailles der deutschen Wirtschaft mitspielte. Außer der Filmwirtschaft! Denn durch die Abwertung der Mark waren deutsche Filme günstig und dadurch beliebt auf dem internationalen Markt, zugleich spülte das harte Devisen in die Kassen der Studios, mit denen sie immer neue Projekte realisieren konnten.

Harakiri wurde von Lang zwischen den beiden Teilen seines Zweiteilers Die Spinnen quasi an Ort und Stelle gedreht: In Hagenbecks Tierpark und mit einem Großteil der Crew aus Die Spinnen. Die weibliche Hauptrolle spielt Lil Dagover, genau wie nur ein Jahr später im berühmten Cabinet des Doctor Caligari.

Der Film ist eine Adaption von Madame Butterfly, ich kenne die Vorlage nicht, kann daher nicht sagen, wie nah der Film an der Vorlage ist. Der Film galt wie Langs Debut als verschollen, bis in den 1980ern eine Kopie in Amsterdam entdeckt wurde, daher ist die im Netz verfügbare Version auch mit holländischen Texttafeln ausgestattet. Archive.org bietet dazu noch englische Untertitel. Allerdings muss ich warnen: Die Qualität des Films ist unerträglich, stellenweise erkennt man nicht das geringste und ich habe mir vorab die Zusammenfassung der Wikipedia durchgelesen, um überhaupt etwas zu verstehen.

Was bleibt mir zum Film zu sagen? Ich musste stellenweise mit em Schlaf kämpfen, wofür natürlich die schlechte Bildqualität verantwortlich war, aber darüber hinaus lässt sich mehr erahnen als sehen, dass der Film auch nicht so superspannend ist. Lang lässt zwar sein Talent aufblitzen und manche Szenen sind gut gefilmt, so eine der ersten im Schrein, die viele Einstellungswechsel beinhaltet oder die Szene, in der Olaf in Europa sitzt und an O-Take-San denkt, die dann in diese Szene geschnitten wird, wie sie sehnsüchtig aufs Meer blickt. Bei anderen Shots, etwa den mit Lampions geschmückten Booten, kann man ahnen, dass sie wohl schön arrangiert waren, als man sie noch erkennen konnte. Doch die Mehrzahl der Einstellungen ist langweilig-konventionell gefilmt: Wir sehen viele Dialoge in jeweils einer Totalen, die nur von Texttafeln unterbrochen wird. Außerdem bewegen sich die Menschen meist wie in Zeitlupe, ich glaube, damit sollte der deutsche Cast japanischer wirken. Erwähnswert ist noch die Kreisblende, die wir nach The Birth of a Nation nun auch hier wieder zu sehen bekommen – Star Wars lässt grüßen.

Eines noch, so viel Spoiler müsst ihr mir gestatten: Olaf ist ein Riesenarsch!

 

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