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1905 – Le diable noir

Und ein letztes Mal Méliès. Auch wenn er immer das gleiche macht, ist es schon fair, dass er hier so viel Platz eingeräumt bekam. Er war eben einer der ersten ganz großen Regisseure des Kinos. Und wenn ich auch von diesen „späten“ Filmen von ihm enttäucht bin, dürfen wir nicht vergessen, welche Innovation er dem Film überhaupt erst eingehaucht hat. Ich war sehr begeistert, als ich seinen ersten Film in dieser Reihe sah. Aber leider hat er sich eben nicht weiterentwickelt, weswegen es nun an der Zeit ist, Abschied zu nehmen und sich anderen, innovativeren Regisseuren und Regisseurinnen zuzuwenden.

Was soll ich zu Le diable noir noch groß sagen? Diesmal gibt uns Méliès einen Teufel als Grund dafür, seine Trick-Schnitte zu zeigen. Formal könnte man das vielleicht als einen der ersten Spukfilme ansehen. Aber eigentlich ist es nur faules Drehbuchschreiben.

Ich hatte neulich in einer Diskussion mit Tamino von der Second Unit faules Drehbuchschreiben so definiert: Wenn ich einem Drehbuch ansehe, dass der Protagonist etwas nur deshalb sagt oder tut, um die Handlung in eine bestimmte Richtung voranzutreiben und das dann auch noch dumm oder Out of Place ist.

Das hier ist eine Variation davon, denn wirklich dumm ist das Filmchen nicht, aber man sieht ihm eben an, dass Méliès da saß und überlegte: „Hmmm … Wie kann ich eine weitere Erklärung finden, dafür dass ich Dinge mit Hilfe von Schnitten verschwinden oder erscheinen lassen kann?“ Natürlich darf auch die obligatorische Rauchwolke nicht fehlen!

1899 – Cendrillon

Auch das letzte Jahr des 19. Jahrhunderts vergebe ich an Georges Méliès. In Cendrillon macht er zu ersten Mal, was auch heute noch beliebt ist: Er verfilmt mit Cinderella ein Märchen. Natürlich war es Aschenputtel! Allein für den Suchbegriff „Cinderella“ zeigt die IMDB 200 Treffer an und auch wir hatten ja schon einen Vertreter dieser Adaption im Spätfilm.

Méliès setzt bei seiner Verfilmung wieder auf seine bereits etablierten Tricks, Schnitte für magische Effekte einzusetzen. Während mich das in La lune à un mètre noch faszinierte, hat mein Interesse daran einen Film später schon stark nachgelassen. Zumal es so auf mich wirkt, als habe Méliès hier wesentlich schlampiger gearbeitet. Dass Méliès kein One-Trick-Pony ist, zeigt er hingegen dadurch, dass die Szenenwechsel nun auch Einzug in das Repertoire des Filmschaffenden gefunden haben.

Georges Méliès hatte übrigens ein Theater in Paris und die Lumières mieteten oben drüber ein Atelier. Dort sah Méliès zum ersten Mal den Cinématographen, aber die Lumières wollten ihn nicht verkaufen.  Deshalb besorgte sich Méliès dann einen von Edison, um seine eigenen Filme zu produzieren. Die damalige Filmwelt war noch klein …