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1899 – Cendrillon

Auch das letzte Jahr des 19. Jahrhunderts vergebe ich an Georges Méliès. In Cendrillon macht er zu ersten Mal, was auch heute noch beliebt ist: Er verfilmt mit Cinderella ein Märchen. Natürlich war es Aschenputtel! Allein für den Suchbegriff “Cinderella” zeigt die IMDB 200 Treffer an und auch wir hatten ja schon einen Vertreter dieser Adaption im Spätfilm.

Méliès setzt bei seiner Verfilmung wieder auf seine bereits etablierten Tricks, Schnitte für magische Effekte einzusetzen. Während mich das in La lune à un mètre noch faszinierte, hat mein Interesse daran einen Film später schon stark nachgelassen. Zumal es so auf mich wirkt, als habe Méliès hier wesentlich schlampiger gearbeitet. Dass Méliès kein One-Trick-Pony ist, zeigt er hingegen dadurch, dass die Szenenwechsel nun auch Einzug in das Repertoire des Filmschaffenden gefunden haben.

Georges Méliès hatte übrigens ein Theater in Paris und die Lumières mieteten oben drüber ein Atelier. Dort sah Méliès zum ersten Mal den Cinématographen, aber die Lumières wollten ihn nicht verkaufen.  Deshalb besorgte sich Méliès dann einen von Edison, um seine eigenen Filme zu produzieren. Die damalige Filmwelt war noch klein …

1898 – La lune à un mètre

Es ist an der Zeit, Georges Méliès kennenzulernen und mit ihm einen Quantensprung im filmischen Erzählen. Méliès war einer der Superstars der ersten Regisseurengeneration. In der IMDB wird er als Regisseur von unglaublichen 538 Filmen geführt!

Und während die ersten drei Filme, die ich sah, im Grunde nicht mehr waren, als bloßes Kameradraufhalten, bekommen wir hier in La lune à un mètre eine richtige Geschichte erzählt:

Wir sehen einen Astronom in seinem Studierzimmer bei der Arbeit, dem verschiedenste Visionen widerfahren, inklusive einem unglaublich gruseligen Mond, der dem armen Mann übel mitspielt. Am Ende – Achtung: Spoiler 😉 – schafft die Mondgöttin (?) wieder Ordnung.

Ich finde beeindruckend, wie enorm der Fortschritt ist: Zunächst muss hier ein Drehbuch exitiert haben und Kulissen wurden gebaut. Aber das ist noch nicht einmal das Besondere. Denn beides kannte man ja bereits aus dem Theater. Nein, der wirklich spannende Punkt ist, dass die Montage nun erfunden ist. Und nicht nur das! Der Schnitt wird hier nicht nur als Mittel benutzt um mehrere Takes zu verbinden, nein, er wird gleich erzählerisch als Tricktechnik engesetzt. Ständig verschwinden Dinge oder erscheinen. Das ist teilweise noch etwas krude und nicht komplett nachzuvollziehen. Teilweise aber auch so beeindruckend, dass ein Tisch, auf dem der Astronom steht, verschwindet und wir ihn im Anschlussframe passend fallen sehen.

Aber am beeindruckensten ist, dass es sogar eine Stop-Motion-Sequenz gibt, von der ich nicht sagen kann, wie sie gemacht wurde, denn während sich links im Bild der Astronom normal weiterbewegt, sehen wir rechts Kreidezeichnungen sich bewegen. Wahrscheinlich hat Méliès das mit Doppelbelichtung gemacht.

Ich bin beeindruckt!