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#Horrorctober 6 – The Return of the Living Dead

Auch dieser Film bot mir kein Zitat: Nicht jede kaputte Tür ist eine Referenz auf The Shining. Allerdings hatte The Return of the Living Dead äußerst amüsante 1:30 Stunden zu bieten.

Erscheinungsjahr: 1985
Regie: Dan O’Bannon
– Filmographie:
1985
The Return of the Living Dead
1991
The Resurrected
Außerdem als Drehbuch-Autor (Auswahl):
1974 Dark Star
1979 Alien
1981 Dead & Buried
1985 The Return of the Living Dead
1990
Total Recall
1997
Bleeders

Budget: 4 Mio $
Besetzung: Clu Gulager (Burt), James Karen (Frank), Don Calfa (Ernie), Thom Mathews (Freddy)
Genre: Horror, Zombiefilm

Die Handlung in fünf Sätzen

Mit Spoilern …

Ärger

Freddy hat seinen ersten Tag als Angestellter in einem Autopsiebedarf-Versandhandel. Sein Kollege Frank erzählt ihm, dass unten im Keller Fässer stehen, in denen sich die Zombies aus The Night of the Living Dead befinden. Die beiden gehen in den Keller und öffnen versehentlich ein Fass. Die Zombieapokalypse bricht aus. Am Ende sind alle tot.

Filmisches Erzählen

Vom Prolog an, in dem das wunderbar doofe Pärchen Frank und Freddy die Katastrophe in Gang setzen bis zum letzten Skelett das sich aus seinem Grab erhebt, ist dieser Film ein wunderbar ekeliger Spaß. Da verzeihe ich sogar, dass eben  jener letzte Shot schon einmal zuvor im Film verwendet wurde. Alle Protagonisten sind dumm wie Brot und dennoch so liebevoll gezeichnet, dass man ihnen ihre bescheuerten Einfälle jederzeit abnimmt. So wird im Prolog schön etabliert, dass der Handel mit echten Skeletten mehr als nur halbseiden ist, was später dann sehr glaubhaft macht, dass der Boss des Unternehmens sich weigert, die Polizei oder gar das Militär zu rufen, als die Situation noch unter Kontrolle ist. Auch hätte den Protagonisten klar sein können, dass das Verbrennen eines lebenden Toten das Problem vergrößern wird, da schon dieser durch die Faulgase eines anderen Kadavers überhaupt zum Zombie wurde. Aber da Freddy und Frank nun einmal so dumm sind, nehme ich ihnen ihr Handeln voll ab.

Der Film ist zudem offensichtlich von einem talentierten Regisseur gemacht worden, so bekommen wir schöne epische Vorausdeutungen gezeigt wie aufgespießte flatternde Schmetterlinge oder den Handabdruck auf einem Tank. Eine knarrende Treppenstufe entpuppt sich als Chekhov’s Gun und einmal wird effektvoll der Vertigo-Effekt eingesetzt. Ich verstehe nicht, warum Dan O’Bannon, der auch für das Drehbuch von Alien mitverantwortlich war, danach kaum noch etwas sinnvolles gemacht hat.

Ein kleines persönliches Problem habe ich mit dem Film: Ich mag meine Zombies gerne klassisch, so wie sie von Romero erfunden wurden. Sie sollen dumm und langsam sein und man kann sie durch einen Kopfschuss ausschalten. Die Zombies in Return sind schnell und genauso intelligent wie Menschen, obendrein lassen sie sich durch nichts aufhalten. Selbst wenn der Kopf abgetrennt wurde, setzen beide Teile des Körpers ihre Mission fort. Allerdings geht der Film dann auch damit so konsequent um, dass es am Ende keine Rettung für niemanden geben wird. Denn diese Zombies sind unaufhaltsam.

Die Here’s Johnny“-Szene

Wie ich oben schon schrieb, war auch das wieder, wie schon bei Children of the Corn eine Fehlinformation. Nicht jede kaputte Tür ist gleich ein Zitat. Die fragliche Szene kommt nach 1:09:00 Stunden. Freddy ist zum Zombie geworden und wurde von den anderen in den Kapellenraum des Krematoriums gesperrt. Dort bricht er mit bloßen Fäusten durch das Holz der Tür – zugegeben in der Mitte – und stürzt sich dann einfach durch dieses Loch. Der Szene fehlen einfach zu viele Eigenschaften, als dass sie als Referenz an The Shining, Körkarlen oder Broken Blossoms durchgehen würde. Weder das Setting, noch die Kameraeinstellungen oder gar ikonische Bilder wie die Axt, der Griff zur Klinke und der eigentliche „Here’s Johnny“-Moment sind zu sehen.

Allerdings hat sie ein anderes ikonisches Bild, das ich erst kürzlich bei Spider-Man als Referenz auf den Horrorfilm erkannte: Die Hand, die aus dem Grab kommt. Ich frage mich, ob dieser Film das Bild erfunden hat oder ob auch er es zitiert …

Fazit

Dieser Film brachte mich bei meiner Suche nicht weiter, war aber dennoch keine Enttäuschung. Außerdem: „Braaaaaaaaiiiiiins!!!!”

#Horrorctober 4 – The Brood

Nur ein Jahr vor Kubricks The Shining drehte David Cronenberg The Brood. Zu sehen bekam ich auch hier kein Zitat und leider auch keinen guten Film

Eckdaten

Erscheinungsjahr: 1979
Regie: David Cronenberg
– Fimographie (Auswahl):
1979 The Brood
1986 The Fly
1991 Naked Lunch
1996 Crash
1999 eXistenZ
2005 A History of Violence
2007 Eastern Promisses
2012 Cosmopolis
Budget: ca. 1 Mio $
Besetzung: Oliver Reed (Dr. Raglan), Samantha Eggar (Nola Carveth), Art Hindle (Frank Carveth)
Genre: Horror

Die Handlung in fünf Sätzen

Mit Spoilern.

to much information

Die gute Nola Carveth ist in einer geschlossenen Therapie beim experimentellen Therapeuten Dr. Raglan. Nachdem die gemeinsame Tochter Candice Nola besucht hatte, entdeckt Frank Carveth Misshandlungsspuren und versucht vergeblich herauszufinden, was passiert ist. Da in der Zwischenzeit erst Oma, dann Opa und schließlich die Kindergärtnerin von Candice von mutierten Kindern ermordet wurden und zudem Candice entführt wurde, verfolgt Frank die Spur zurück zu Nola. Frank erfährt von Dr. Raglan, dass Nola die Mutantenkinder thelepatisch kontrolliert und versucht Nola abzulenken, während Dr. Raglan Candice aus den Klauen der Mutantenkinder befreit – natürlich geht der Plan schief. Am Ende entdeckt Frank, dass Nola die Mutantenkinder in einer ekligen, gewissermaßen externen Parthenogenese zur Welt bringt und bringt Nola dann doch lieber mal um, wodurch alle Mutantenkinder sterben und Candice gerettet werden kann … oder vielleicht doch nicht?

Filmisches Erzählen

Mmh … Der Film beginnt mit einer kruden Kritik an Sekten à la Scientology und/oder der Psychotherapie. Was genau er da kritisieren will, weiß wohl nicht einmal Cronenberg. Dieser Anfang ist so dermaßen unspannend, dass ich mit dem Schlaf kämpfen musste. Menschen reden und reden und reden. Versteht mich nicht falsch: Ich habe nichts gegen dialogische Filme. Einige meiner besten Freunde sind dialogische Filme! Aber dieser hat eine so unglaublich langweilige Kamera-Arbeit wie eine Vorabendserie. Fast 20 Minuten sehen wir nur stupide, statische: Shot – Reaction Shot – Totale.

Als dann die erste Horror-Szene kommt, entfesselt Cronenberg seine Kamera, nur um danach wieder zur Trias der Langeweile zurückzukehren. Gegen Ende steigert sich dann zum Glück die Schlagzahl der Spannungsmomente, aber so richtig vom Hocker konnte mich das nie reißen. Das lag einmal mehr an der grenzenlosen Dummheit der Protagonistinnnen. Sie werden von KINDERN angegriffen, aber statt sich mal zu wehren oder wegzulaufen, geben sie sich schicksalsvoll dem Sterben so hin. Als dann Frank sich einmal nicht ergibt, ist es auch erwartbar einfach, eines dieser Mutantenkinder abzuschütteln und im Bad einzusperren. Am intelligentesten im ganzen Film verhält sich ein Kindergartenkind, das als einziges von allen Opfern oder Zeugen mal auf die Idee kommt wegzulaufen und dabei um Hilfe zu rufen.

Das andere Problem sind Plottlöcher, die größer sind als so mancher Mondkrater: So erklärt einmal ein Pathologe Frank ausführlich, was es mit dem Mutantenkind auf sich hat, obwohl Frank kein Polizist oder ähnliches ist. Anscheinend teilt die Polizei Verwandten immer alle Spuren einer Ermittlung mit, es ist ja offensichtlich nicht denkbar, dass jemand aus dem Familienkreis der Opfer etwas damit zu tun haben könnte.

oh wait!

Außerdem wird Dr. Raglan den ganzen Film über als Hauptverdächtiger aufgebaut, im Showdown bedarf es dann aber nichts weiter als seiner Beteuerung, dass nicht er der Schurke ist, sondern dass Franks verrückte Frau das Schindluder treibt, um Frank von der Unschuld des Doktors zu überzeugen. Pffff …

Die „Here’s Johnny-Szene”

Die verdächtige Szene kommt nach 1:26:00 Stunden. Candice flieht vor einer Horde Mutantenkinder und verbarikadiert sich hinter einer Tür. Die Mutanten schlagen immer wieder gegen die Tür, bis ihre Fäuste durchbrechen. Doch dann erwürgt Frank seine nah-zukünftig verstorbene Frau und mit ihr fallen alle Mutanten tot um. Anschließend greift dann Frank durch das Loch in der Tür, um sie zu entriegeln und schließt Candice in die Arme. Dieser Griff dürfte zum Eintrag in der IMDB geführt haben. Allerdings bezieht sich meines Erachtens weder The Shining auf The Brood, noch handelt es sich um ein Zitat von Körkarlen, einfach weil der Kontext überhaupt nicht stimmt.

Fazit

Der Griff zum Schloss dürfte den Eintrag als Referenz in der IMDB erbracht haben. Allerdings ist die Gemeinsamkeit so gering, dass ich in Analogie zur Linguistik sagen würde, dass The Brood nicht einmal die Syntax des Tropes aus Broken Blossoms oder Körkarlen übernimmt, sondern allenfalls seine Morphologie. Es besteht sogar noch eher Ähnlichkeit zu Halloween, dadurch dass auch hier keine Axt benutzt wird, um die Tür zu zerstören.

Damit habe ich alle Filme durch, die in der IMDB als Referenz-Vorlagen von The Shining gelistet wurden. Broken Blossoms setzte den Trope des Mörders mit der Axt, Körkarlen erweiterte ihn um den ikonischen Griff durch die Tür, The Toolbox Murders variierte ihn mit einer Bohrmaschine, Halloween referenzierte sowohl Broken Blossoms als auch Körkarlen in zwei verschiedenen Szenen, aber es waren auch keine richtigen Filmzitate, schon alleine, weil Michael Myers gar keine Axt benutzte und The Brood streifte den Trope nur am Rande.

Der chronologisch nächste Film ist The Shining, aber besprechen werden wir den erst im Podcast an Halloween. Davor kommen dann im #Horrorctober noch eine Reihe von Filmen, die sich vermeintlich auf The Shining beziehen.  Mal schauen, ob und was die Filme nach The Shining aus der Mörder-bricht-mit-Axt-durch-Tür-Szene machten.