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1907 – Ben Hur

Das Original! Mir war bislang nicht klar, dass die Version von William Wyler mit Charlton Heston bloß ein Remake ist … Diese originale Version von Ben Hur löste übrigens den ersten Urheberrechtsstreit der Filmgeschichte aus. Wie später bei Nosferatu (wir berichteten) so verfilmten auch hier die Regisseure Sidney Olcott, Harry T. Morey und Frank Rose den Stoff, ohne vorher die Rechte von Autor Lew Wallace erworben zu haben. Der Autor klagte, bekam Recht und seitdem mussten Autoren für Verfilmungen bezahlt werden.

Hier tauchen nun endlich auch die Stummfilm-typischen Texttafeln auf, um uns die komplexen Szenen des 15 Minuten langen „Epos“ zu erklären. Trotzdem ist die Handlung ohne Kenntnis des Stoffes nicht immer ganz leicht nachzuvollziehen. Filmtechnisch spannend sind ansonsten noch die Massenszenen und die aufwendigen Kulissen und Kostüme. Gefilmt ist das ganze hingegen sehr konventionell. Dafür ist es der erste Film in meiner Reihe, in dem jemandem ins Gesicht geschlagen wird. Das ist doch auch schon mal eine Leistung …

An die Grenzen des damals Darstellbaren stößt Ben Hur aber beim großen Finale, dem Wagenrennen. Da der Historienschinken komplett mit gebauten Kulissen auskommen musste, ist der Bildausschnitt zu klein gewählt – Sie konnten ja schlecht den Circus Maximus nachbauen. Um den Bildausschnitt möglichst groß zu bekommen, wurde aus recht spitzem Winkel auf die Kulisse gefilmt, wodurch aber sehr klar ersichtlich wird, dass alles nur aus Holzplatten besteht. Dennoch will nicht so recht Dramatik aufkommen, wenn man immer wieder einzelne Streitwagen durchs Bild huschen und wieder verschwinden sieht. So muss uns letztlich auch eine Texttafel darüber aufklären, dass Ben Hur gewonnen hat.

1906 – Dream of a Rarebit Fiend

Ich muss sagen, Edwin S. Porter hat es mir echt angetan. So wie im Vergleich zu den Lumières und anderen Méliès den Film in den 1890ern auf ein neues Niveau gehoben hatte, so macht dies in den 1900ern Porter.

Diesmal ist er zusammen mit Wallace McCutcheon am Werk. Die beiden zeigen uns in der ersten Comic-Verfilmung der Geschichte nicht bloß mit Hilfe von Doppelbelichtung und Wackelkamera (Jason Bourne lässt grüßen) einen Alkoholrausch sondern unter anderem in Form eines Splitscreens auch die erste Traumsequenz.

Dass sie zwischendurch in den Méliès-Stil verfallen und Mobiliar durch Schnitte tanzen lassen, sei ihnen schon deshalb verziehen, weil sie diesen Tanz beim Bett später ganz ohne Schnitt machen, sodass mir nicht ganz klar ist, wie. Ich tippe auf eine Miniatur mit Seilzügen. Dann sehen wir eine Szene in, der das Bett und der Träumer fliegen. Diese Szene dürfte wohl Vorbild für noch viele spätere Flugszenen gewesen sein.