SF10 – Dial M for Murder

People don’t commit murder on credit…

Unser erstes Jubiläum! Mit einem überdimensionalen Telefon, der dritten Dimension in drei Akten und jeder Menge Suspense…

Hitch bespielt eine Kammer voller Dialoge und erzählt seine Geschichte doch wieder einmal in Bildern. Wie er das schafft, erfahrt ihr, wenn ihr S für Spätfilm wählt. Außerdem erzählen wir die Handlung in etwas mehr als fünf Sätzen nach. Also braucht ihr uns nur zuhören und braucht den Film gar nicht mehr sehen.


Unser Jubiläum: 10 Folgen Spätfilm

Paula erkennt, dass Podcasten schwerer ist, als es sich anhört und gesteht ihre Liebe zu Troja Alert. Paula macht sich jetzt Notizen über die Filme – auf Papier! Daniel mochte besonders gerne die Breakfast-Club-Folge und ihm/mir gefiel Paula in Die Ritter der Kokosnuß außerdem mochte er die Diskussion, ob Filme eine moralische Verantwortung haben.

Eckdaten

Erscheinungsjahr: 1954
Genre: Thriller, Kammerspiel
Deutscher Titel: Bei Anruf: Mord
Budget: $1.400.000
Regie: Alfred Hitchcock
Filmographie (Auswahl):

  • Die Vögel (1963)
  • Psycho (1960)
  • Der unsichtbare Dritte (1959)
  • Vertigo (1958)
  • Der Mann, der zuviel wusste (1956)
  • Das Fenster zum Hof (1954)
  • Bei Anruf: Mord (1954)
  • Die 39 Stufen (1935)

Und viele, viele mehr…

Schauspieler: Ray Milland, Grace Kelly (Gracia Patricia), Robert Cummings
Der Film bei Amazon: Bei Anruf: Mord

Produktion

Das Drehbuch

Basiert auf einem Theaterstück von Frederick Knott, der auch das Drehbuch schrieb.

Das Casting

Cary Grant wollte den Ehemann spielen aber das Studio wollte sein Image nicht gefährden.

Die Dreharbeiten

Der Film wurde in nur 36 Tagen abgedreht.

Für die Dreharbeiten wurde ein Graben gebaut, sodass mit der Kamera in Höhe des Fußbodens gefilmt werden konnte.

3D Film

Der Film wurde in 3D gedeht. Das zeigt sich (auch wenn man ihn in 2D sieht) zum Beispiel in ungewöhnlichen Kamerapositionen, großen Objekten im Vordergrund, und der Inszenierung des Mordversuchs, bei dem Grace Kelly dem Publikum ihre Hand entgegenstreckt.

Hitchcock mochte 3D nicht wirklich, da es aber Anfang der 50er zum ersten Mal boomte, wurde er wohl von Warner dazu gedrängt. Als der Film fertig war, war jedoch der Boom vorbei und Film wurde meisten in 2D gezeigt.

Extreme Nahaufnamen waren mit der 3D-Kamera nicht möglich, weswegen für die Auftaktszene, in der gewählt wird, ein riesiges Telefon und ein künstlicher Finger aus Holz gebastelt wurden.

Filmisches Erzählen

“Finally, there’s the attempted murder – as frightening for me as Psycho’s shower scene.”

Quelle: The Guardian

Hitchs Cameo

Hitchs Cameo ist auf einer Fotografie. Am gleichen Tisch sitzt auch noch James Stewart.

Konventionelles Setting

Hitch variiert seine Themen: Mord wegen Geld, Opfer soll erwürgt werden, Ehebruch, Blondine, Erpressung. Aber er inszeniert den Film gekonnt. Das zentrale Thema ist der perfekte Mord. Herausragend ist die sehr gute Kameraarbeit: man hat das Gefühl dabei zu sein. Hitch nutzt dafür Bewegung der Kamera, tiefe Kamerapositionen und Objekte im Vordergrund. Die letzten zwei Punkte sind einerseits dem 3D-Film geschuldet, um den Tiefeneffekt zu inszenieren, aber andererseits bewirken sie auch, dass der Zuschauer sich vorkommt, als würde er die Szenerie belauschen.

Manipulation

Hitch manipuliert uns wieder: erst ist Tony unser Point of View und Hitchcock legt alles darauf an, mit ihm mitzufiebern, obwohl er einen Mord plant. Nach dem Mordversuch, wechselt Hitch dann die Perspektieve und wir sollen mit Margot mitfiebern.

Kammerspiel

Hitch inszeniert ein Kammerspiel – fast alles spielt in einem Appartement. Aber, während die Schauspieler durch das Setting beengt sind, kann sich die Kamera frei bewegen.

[T]he space of the “stage” becomes completely permeable. The actors are stuck in the set, but the camera can go anywhere there. The camera can scan the space, jump below or above it, even rotate. The result feels both theatrical and cinematic—a concentrated stage piece heightened by the tools of cinema.

Quelle: davidbordwell.net

Um den Raum auf der Leinwand größer und abwechslungsreicher erscheinen zu lassen, wurde ein Set mit einer vierten Wand gebaut. Siehe auch: Durchbrechung der vierten Wand.

Chekhov’s gun

Fast alle Requisiten, die in den ersten Szenen thematisiert werden, haben im Verlauf des Films noch eine größere Rolle. TV tropes spricht sogar von Chekhov’s armoury.

Farb-Code

Hitch inszeniert den Wandel von Margot mit Hilfe ihrer Kleider:

In der allerersten Szene mit ihrem Ehemann trägt Grace Kelly ein hochgeschlossenes weißes Kleid, das Reinheit und Unschuld symbolisiert. In der Szene mit ihrem Liebhaber trägt sie dann ein rotes, aufreizendes und sinnliches Kleid. Nachdem sie den Eindringling getötet hat, trägt sie ein schmuckloses graues Kleid, das an Buße erinnert.

Quelle: Wikipedia.

Die Drinks

Hitch beginnt und beendet den Film mit dem Anbieten von “Drinks”. Was er uns damit sagen will, bleibt ein Rätsel. Irgendwelche Vorschläge?

Rezeption

Das Theaterstück wurde etliche Male inszeniert. Nach Dial M ist die berühmteste Version A Perfect Murder von 1998.

Zitate

Der Titel wurde unzählige Male zitiert, etwa von:

  • Frasier: Dial M for Martin (1998)
  • Futurama: Anthology of Interest I (2000)/Episode “Dial L for Leela”
  • Family Guy: Dial Meg for Murder (2010)
  • Die Simpsons haben den Titel mehrfach zitiert, mein Liebling ist: “Dial M for Murder or Press #”

Aber auch filmisch wurde der Film zitiert.

  • Etwa von den Coen Brüdern in Blood Simple – Eine mörderische Nacht (1984). Abby trägt das gleiche Nachthemd wie Grace Kelly und wird auf die gleiche Art und Weise angegriffen.
  • In Monk: Mr. Monk and the Red Herring (2005) Ersticht Natalie einen Eindringling auf die gleiche Weise mit einer Schere, wie Gracia Patrizia.
  • In Numb3rs – Die Logik des Verbrechens: Where Credit’s Due (2009) zitiert Don Mark Hallidays Meta-Analyse: “in stories things usually turn out the way the author wants them to; and in real life they don’t…”
  • Und Die Simpsons: Bart’s Friend Falls in Love (1992) adeln die Mordszene indem sie Milhouse und Bart miteinander ringen lassen und Bart auf die gleiche Weise wie Grace Kelly nach hinten greift, um eine Waffe zu finden.

Bewertung

Paula: 86 Punkte

Daniel: 81 Punkte

Hörenswert und Lesenswert

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4 Gedanken zu „SF10 – Dial M for Murder

  1. Pingback: SF10 – Dial M for Murder | Privatsprache

  2. Farmer Fred

    Habe Euren Podcast erst neulich entdeckt. Gefällt mir eigentlich ganz gut. Eure Inhaltsangaben sind etwas holprig, vieleicht solltet ihr euch während des Schauens ein paar Notizen machen…
    Ich weiß nicht, ob ich das richtig verstanden habe – hr wißt nicht, ob Hitch verheiratet war? Wenn man die Filme von ihm besser verstehen will, sollte man sich schon etwas mit seinem Leben beschäftigen. Da böte sich die unauthorisierte Biografie von Donals Spoto an. Oder der aktuelle Spielfilm “Hitchcock” von Sascha Gervasi (aber nicht auf die Maske von Anthony Hopkins schauen). Ohne Hitch`s Ehefrau Alma Reville wären seine Filme nicht so wie sie sind…

    Antworten
    1. Daniel Beitragsautor

      Vielen Dank für die konstruktive Kritik. Wir werden uns bessern und den Inhalt strukturierter wiedergeben. Bezüglich der Vita des Regisseurs frage ich mal Paula, ob sie Lust hat, sich darauf vorzubereiten, ich persönlich lese extrem viel für jede Folge und kann nicht versprechen, dass ich das regelmäßig auch noch schaffe. Den Film und das Buch, die du empfiehlst, setze ich aber gerne mal auf unsere Amazon-Wunschliste. Da wir uns sicher noch das eine oder andere Mal mit Hitch auseinandersetzen werden, sind beide eine gute Anregung.

      Antworten
  3. Paula

    Lieber Farmer Fred,

    danke für deine Rückmeldung. Es freut mich, dass dir unser Podcast gefällt!
    Wir geben uns auch einigermaßen Mühe, unterhaltsam zu sein.

    Ich möchte inzwischen auch daran arbeiten, dem Ganzen etwas mehr Anspruch zu geben. Notizen beim Film sind da das erste Mittel. Nur lasse ich mich eben zu gerne von einer Geschichte mitreißen, wobei ich dann natürlich die Distanz verliere, die eine Analyse braucht. Mal schauen, wie das weitergehen wird.

    Zu deinen konkreten Hitchcock-Tipps muss ich anmerken, dass eine unautorisierte Biografie und ein Film, der ja selbst ein Kunstwerk ist, keine zuverlässigen Grundlagen sind, wenn man das Leben des Schaffenden in die Analyse seines Werkes mit einbeziehen möchte.

    Wie auch immer, ich hoffe, es macht dir Spaß, unsere Gespräche über Filme anzuhören. Und Daniels Anmerkungen sind auf jeden Fall ein Gewinn!

    Viele Grüße,

    Paula

    Antworten

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