Das Funkeln in den Augen

Das Kino wurde für Kinder erfunden. Ein Kind weiß nichts von drei Akten, von Spannungsbögen, der Heldenreise, der Damsel in distress oder vom Happy End. Ein Kind kennt keine filmischen Codes oder Tropes und hat noch nicht dutzende Bond-Bösewichter zu lange über ihre Pläne sprechen hören. Wenn der Held nach fünfundvierzig Minuten den Abgrund hinabstürzt, weiß ein Kind nicht mit Blick auf die Uhr, dass er bestimmt überlebt hat, genauso wenig wie es weiß, dass der Böse am Ende noch einmal aufsteht.

Ich war neulich mit meiner Tochter im Kino und oft habe ich nicht auf die Leinwand geblickt, sondern in ihr Gesicht. Um diese großen Augen zu sehen, die versuchen, das Blinzeln zu verhindern, damit sie nichts verpassen. Die kleinen Hände, die die Ohren bedecken, wenn in diesem magischen Raum vor ihr etwas so laut brüllt, dass sie es nicht glaubt auszuhalten. Die Arme vor dem Gesicht, wenn die Spannung, ach, zu groß ist. Und das Dahinschmelzen, wenn sich die Liebenden in die Arme fallen. Dieses, mein Kind lacht bei der billigsten Pointe so aus vollem Herzen, als wäre es der beste Drehbucheinfall, der je ersonnen wurde.

Und genau das suchen wir doch wenn wir ins Kino gehen, oder? Deshalb jagen wir die guten Drehbücher, die Mementos und Psychos dieser Welt, weil wir wieder sechs Jahre alt sein wollen und daran glauben wollen, dass in diesem magischen Viereck im großen Dunkel alles möglich ist.

Ein Gedanke zu „Das Funkeln in den Augen

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